Der Widerstand im Nord-Pas-de-Calais

Die Résistance im Nord-Pas-de-Calais entsprach nicht dem Bild, das allgemein mit der Résistance in Frankreich assoziiert wird.
Aufgrund der starken Präsenz der Besatzungstruppen war es unmöglich, sich in abgeschiedenen Gebieten zu verstecken. Es gab jedoch zahlreiche aktive Informationsnetze, die für die Alliierten überaus nützlich waren.

In den Jahren 1942 und 1943 baute der britische Geheimdienst im Nord-Pas-de-Calais die sehr effiziente Aktionsgruppe "Sylvestre Farmer" auf, die von Michael Trotobas, einem außergewöhnlichen Menschen, geleitet wurde. Trotobas wurde jedoch im November 1943 in Lille erschossen, nachdem er eine Reihe spektakuläre Sabotage-Aktionen organisiert hatte. Die 1939 aufgelöste Kommunistische Partei formierte sich hinter geschlossenen Türen schnell wieder. In den ersten Monaten der Besatzung übte sie sich gegenüber dem Besatzer in strikter Neutralität. Diese Situation änderte sich jedoch im Frühjahr 1941: Kommunistische Aktivisten organisierten und leiteten den großen Bergarbeiterstreik in den Departements Nord und Pas-de-Calais (27. Mai bis 6. Juni), bei dem sich soziale Forderungen mit dem Ausdruck patriotischer Gefühle verbanden. Der Streik wurde brutal niedergeschlagen: 250 Bergarbeiter wurden in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.

 

Ab Sommer 1941 kam es im Bassin Minier zu einem gnadenlosen Kampf der Aktionsgruppen der Kommunistischen Partei mit der deutschen und französischen Polizei, die enge Kollaboration betrieben. Mehr als die Hälfte aller Attentate und Sabotageakte, die von der Résistance 1941 und 1942 in Frankreich verübt wurden, fanden in den Departements Nord und Pas-de-Calais statt. Von 1940 bis 1944 wurden 1.143 Menschen durch Erschießen hingerichtet (in Lille und Umgebung sowie in der Zitadelle von Arras) und mehr als 5.000 Männer und Frauen in Konzentrationslager deportiert. Im November 1943 wurden die Comités Départementaux de Libération (CDL), die „Befreiungskomitees der Departements“ gegründet, die alle Aktionen der verschiedenen Résistance-Gruppierungen einer einheitlichen Organisation unterstellen sollten. Diese Strukturen wurden jedoch Ende 1943/Anfang 1944 durch Verhaftungswellen der deutschen Polizei erheblich geschwächt.

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